Von der Kaffeebohne zum Filterkaffee

Es gibt wohl kaum eine Küche ohne Kaffeemaschine. Aber es gibt zahllose Kaffeemaschinen ohne Küche. Am Arbeitsplatz, im Lager oder in der Werkstatt ist die Kaffeemaschine für viele einfach unverzichtbar geworden. Vermutlich ist sie das verbreitetste Küchengerät überhaupt.

Doch bis es soweit kommen konnte, musste zunächst einmal der Filterkaffee erfunden werden. Und für den brauchte man erst einmal eine gescheite Filtertüte. Ursprünglich war  nämlich die Kaffeezubereitung eine anstrengende Angelegenheit. Dazu mussten die Bohnen von Hand in der Kaffeemühle zu Pulver zermahlen werden. Man drehte eine Handkurbel, bis alle Bohnen im Mahlwerk fein zerkleinert worden waren. Das Kaffeepulver sammelte sich in einer kleinen Holzschublade, die man herausziehen konnte.

Das Pulver kam nun mit dem heißen Wasser in die Kanne und beim Einschenken musste man stets aufpassen, dass der Kaffeesatz nicht aus der Kanne mit in die Tasse gelangte, was nie völlig zu vermeiden war. Melitta Bentz, eine praktisch veranlagte Hausfrau aus Dresden, kam auf die Idee, den Kaffee zu filtern, um den Kaffeesatz zurückzuhalten. 1908 bastelte sie eine Vorrichtung aus einem durchlöcherten Messingtopf, in den sie Löschblätter aus einem Schulheft einlegte. Das funktionierte schon recht passabel und wurde bei Kaffeekränzchen sehr bewundert. Der große Zuspruch aus dem Freundeskreis ermutigte Frau Bentz, ihr Verfahren weiter zu entwickeln.

Sie ließ ihre Idee als Gebrauchsmuster schützen und wurde ins Handelsregister eingetragen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Söhnen stürzte sie sich ins Geschäft. Bald wurde die Wohnung zu klein, man musste in größere Räume umziehen. Die ideale Kombination aus Filtergehäuse und Filtertüte wurde immer weiter perfektioniert.  1929 zog man im Zuge steigender Produktionszahlen in die Stadt Minden. Mittlerweile arbeiteten bereits 80 Mitarbeiter in zwei Schichten.

Melitta Bentz starb im Jahr 1950. Ihr Vorname ist bis heute das Synonym schlechthin für Kaffeefilter. Ob nun eine braune Tüte den Kaffee besser filtert als eine weiße, dürfte ebenso Ansichtssache sein, wie die berühmte Diskussion darüber, ob weiße oder braune Hühnereier besser schmecken. Melitta Bentz hätte sich bestenfalls darüber amüsiert, über was wir uns heute so alles Gedanken machen…

Während das kochende Wasser ursprünglich nach und nach in den Filter gegossen werden musste, um langsam durchzulaufen, erleichterte die Kaffeemaschine die Zubereitung noch einmal wesentlich. Nun reichte es, die gewünschte Wassermenge in den Tank einzufüllen; die Maschine sorgte dann selbst für die richtige Durchflussgeschwindigkeit.

Doch damit nicht genug. Längst reicht vielen die normale Kaffeemaschine nicht mehr aus. Man orientiert sich an populären italienischen Sorten, allen voran Espresso und Cappuccino. Dafür braucht es schon etwas ausgefeiltere Herstellungsverfahren. Mit einem einfachen Filter ist es nicht mehr getan. Kaffeemaschinen werden auch im Haushalt immer häufiger durch Multifunktionsmaschinen abgelöst, die zahlreiche unterschiedliche Varianten auf Knopfdruck produzieren können. Oft werden die Kaffeebohnen für jede einzelne Tasse frisch gemahlen, manche Geräte sind sogar direkt an eine eigene Wasserleitung angeschlossen. Ein Milchaufschäumer gehört selbstverständlich auch dazu.

Am schwersten ist es aber für den Laien, sich in der österreichischen Kaffeevielfalt zurechtzufinden: Schwarzer, Obers, Melanche, Kapuziner, Franziskaner, Maria Theresia, und und und…., die Wiener Kaffeehauskultur kennt 49 verschiedene Zubereitungsarten.

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