Nichts geht ohne Kühlschrank

Früher lebten die Menschen relativ weit verteilt auf dem Land. Die meisten Lebensmittel kamen direkt vom Acker, es wurde frisch gefischt und selbst geschlachtet. Und was eine Weile haltbar sein sollte, wurde eingelegt oder gesalzen. In manchen Gemeinden wurden gemeinschaftliche Kühlräume und Kühlkeller mit dicken Mauern oder tief in Felshöhlen eingerichtet, die halfen, Verderbliches eine längere Zeit essbar zu halten. So kam man relativ gut übers Jahr.

Durch die Konzentration von immer mehr Menschen in großen Städten, besonders an Industriestandorten, wurde die Versorgung der Bevölkerung zur Herausforderung. Immer mehr Waren mussten frisch auf die Märkte der Städte geschafft werden. Oft war das ein Wettrennen mit der kurzen Haltbarkeit.

Um die Lebensmittel im Haus nicht sofort verbrauchen zu müssen, wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Eisschränke üblich. Sie bestanden aus einem Holzkorpus, in den eine mit starker Isolierung ummantelte Zinkwanne eingesetzt wurde. Für die Kälte sorgten Eisbrocken und -stangen, die regelmäßig vom Eismann geliefert wurden. Die Eisgewinnung und -vermarktung wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Im Winter wurde das Eis gefrorener Seen und Flüsse zu handlichen Blöcken zersägt und für die warme Jahreszeit in Kühlhäusern eingelagert.

Zuverlässig kalte Regionen wie Skandinavien profitierten von der hohen Nachfrage und verschifften Jahr für Jahr große Mengen Eis gen Süden. Abhängig von Wetterlage und Eisvorrat konnte der Eispreis erheblich schwanken. Vor allem Brauereien suchten für ihre Biervorräte nach einer unabhängigeren Lösung.

Bei der Suche nach geeigneten technischen Verfahren, war den Technikern bereits früh bewußt, dass Stoffe, die auf Wärmeeinwirkung mit einer starken Ausdehnung oder gar mit  Verdampfen reagierten, als Kältemittel in Frage kamen. Doch viele dieser Stoffe waren hochexplosiv, die Handhabung erwies sich als zu gefährlich. Erst Carl von Linde konnte eine brauchbare Lösung entwickeln. 1871 entwickelte er seine erste Kältemaschine, die mit Methyläther arbeitete. Später erkannte er, dass Ammoniak als Kältemittel noch geeigneter war.

Im Zuge einer lukrativen Ausschreibung konstruierte von Linde eine gut funktionierende Kühlmaschine. In einem geschlossenen Kreislauf wird ein Kältemittel zur Verdampfung gebracht, wobei die Wärme aus dem Kühlschrankinneren entzogen wird. Anschließend wird das Gas von einem Kompressor verdichtet und nach außen abgeleitet. Außerhalb wird das Gas dann in einem Kondensator abgekühlt und gibt die Wärme wieder ab. Dieses Grundprinzip des Kühlschranks ist unverändert erhalten geblieben. Allerdings sind heutige Kühlschränke weitaus energieeffizienter als damals.

Carl von Linde erkannte, dass sich hier ein interessanter Zukunftsmarkt zu entwickeln begann. Er hängte sein Hochschullehramt an den Nagel und gründete 1879 die „Gesellschaft für Lindes Eismaschinen AG“, den Ursprung der heutigen Linde AG.Obwohl der Kühlschrank in Deutschland erfunden wurde, eroberte er zunächst den amerikanischen Markt. Laut Statistik hatten dort schon vor dem Zweiten Weltkrieg bereits rund siebzig Prozent aller Haushalte einen eigenen Kühlschrank. In Deutschland brauchte man dafür fast dreißig Jahre länger.

Ist eine Küche auch noch so spartanisch eingerichtet; auf einen gut funktionierenden Kühlschrank möchte heute niemand mehr verzichten.

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