Welche Vorstellung haben Menschen von einer idealen Küche? Und wodurch werden diese Wünsche geprägt? Klare Linien und offene Räume werden heute bevorzugt. Die Küche wird häufig als Teil des Wohnbereiches integriert. Die früher übliche Abgrenzung als vollkommen separierter Raum ist aus der Mode gekommen.

Der sarkastische Ruf „Mutter mach die Küchentür zu – man kann ja nicht ansehen, wie du dich abschuftest!“, wäre in modernen Wohnungen schon aus architektonischen Gründen unangebracht, denn immer häufiger ist keine Tür mehr vorhanden, die man schließen könnte. Koch- und Wohnbereiche gehen fließend ineinander über. Und die Küchenhersteller tun mit ausgefeiltem Design alles, damit die Küchen ihrer Rolle als erweiterte Wohnlandschaft optisch gerecht werden, ja sogar als regelrechte Schmuckstücke herausragen können.

Doch was hat diesen Trend eigentlich ausgelöst? Das Thema „Kochen“ wurde in den letzten Jahren maßgeblich von den Medien geprägt, vor allem vom Fernsehen. Seit Alfred Biolek kocht man öffentlich und zwar auf allen Kanälen. Ob Moderator oder Volksmusiker, Kabarettist oder Sportler. Jeder, der es bis in eine Talkshow schafft, wird früher oder später auch zum Kochen seines „Lieblingsrezeptes“ genötigt. Wer noch kein Promi ist, bekommt die Chance einer zu werden, wenn er ein perfektes Promi-Dinner anrichtet. Und wer es als Profi in der Gastronomie zu etwas bringen will, der kocht regelmäßig öffentlich. Nichts geht über eine eigene Koch-Show; Michelin-Sterne sind von gestern.

So konsumiert jeder Zuschauer, gewollt oder ungewollt, täglich Fernsehküchen. Nebenan im Teleshoppingkanal gibt es die passende Pfanne dazu. Diese Dauerberieselung macht zwar nicht satt, aber sie geht ins Unterbewußtsein. Kochen, das ist für viele längst etwas Öffentliches, auch daheim. Also muss die Küche offen sein, damit man von allen Seiten gut zuschauen kann. Am liebsten als freistehender Block. Es lebe die Kameraperspektive, mit oder ohne Kamera .

Was allerdings im Fernsehen nicht mit rüberkommt, ist, dass es mit dem Show-Kochen nicht getan ist. Geeignete Schränke für Utensilien, Teller, Vorratshaltung und die Erreichbarkeit der Zutaten sind ebenso zu beachten wie die Anbringung des Mülleimers. Medial klafft hier eine erhebliche Lücke; wo bleiben Sendungen wie „Lanz wäscht ab“ oder „Raab räumt das Geschirr ein“?

Praktikabilität im Haushalt ist eben nicht nur eine Frage des Designs. Was hilft die preisgekrönte Granitoberfläche, wenn Vati jedesmal, wenn er etwas in den Mülleimer werfen will, einen Satz über die geöffnete Klappe des Geschirrspülers macht? Oder wenn Oma auf die Trittleiter muss, um an die Kaffeefilter zu gelangen. Fehler, die in der Planungsphase übersehen worden sind, lassen sich später oft nur mit großem Aufwand korrigieren. Deshalb sollte man sich genug Zeit nehmen und auf den Rat erfahrener Fachleute bauen. Denn die haben fast jedes Problem schon einmal erlebt und können für nahezu jeden Grundriss die optimale Lösung finden.