Beeindruckend sollte es sein, wenn Gäste kamen. Das war die Intention des Esszimmers. Ein Raum, der so richtig was her machte. Repräsentation um jeden Preis. Ein großes und reich ausgestaltetes Speisezimmer zeigte anderen, dass man es zu etwas gebracht hatte, sich etwas leisten konnte. Das Bewirten im großen Stil kam bereits in Schlössern und Burgen auf. Riesige Tafeln für das große Gelage durchzogen den Raum. Aus dieser Zeit stammt der Begriff „die Tafel aufzuheben“. Das bedeutete, dass nach dem Essen nicht nur das Geschirr und Besteck, die Kerzenleuchter, Krüge und Schalen abgeräumt wurden, sondern dass schließlich der komplette Tisch zerlegt und hinausgetragen wurde.

Selbst Klöster, die einen eher bescheidenen Stil pflegten, hielten auf ein gut ausgestattetes Refektorium. So nannte man den Speisesaal, der häufig eine Verbindung zu den Kreuzgängen hatte, um trockenen Fußes zum Essen zu kommen. Das Refektorium war ein wichtiger Ort der Begegnung. In einigen Klöstern hatte der Abt sogar noch einen extra Raum, um besonders wichtige Gäste zu empfangen und zu bewirten.

In den letzten Jahren wurde die klassische Trennung von Koch- und Essbereich immer weiter aufgehoben. Mittlerweile kommt es häufig vor, dass Trennwände zwischen Küche und Wohnraum durchbrochen werden, um einen zusammenhängenden Bereich zu schaffen. Ebenso verwischt sich die deutliche Abgrenzung zwischen Speisezimmer und Wohnzimmer zunehmend. Grund für diesen Trend ist eine sich wandelnde Gastlichkeit. Die Trennung der Bereiche geht darauf zurück, dass das Personal kochte und servierte. Dessen Arbeit sollten die Gäste so wenig wie möglich sehen und hören. Ursprünglich war die Küche sogar samt Dienstboten in den Keller verbannt.

Heute beherrschen große, offene Räume das Bild. Nur noch Bad und Schlafzimmer werden separiert. Gäste empfängt man an einem langen Tisch, der Wohn- und Kochbereich optisch verbindet. Alles fließt ineinander. Selbst zu kochen gilt als schick und jeder darf und soll dabei zusehen. Der große Esstisch hat als Zentrum in diesem Umfeld sogar an Bedeutung gewonnen. Edle Modelle prägen das Bild. Dabei dominieren Holz und Glas. Häufig können sie mit einigen Handgriffen oder auf Knopfdruck verlängert werden, um auch einer größeren Gästeschar genug Platz zu bieten. Edle Anrichten und verglaste Vitrinen erfreuen sich weiterhin größter Beliebtheit, um all das aufzunehmen, was nicht in die Küche passt. Dabei darf ruhig einmal alt und neu miteinander kombiniert werden. So kommt manches Erbstück erst richtig zur Geltung.

Die Stühle drumherum waren früher oft unbequem und zwangen zu geradem Sitzen. Ganz so, wie der Knigge es bei Tisch verlangte. Heute sind auch die Sitzgelegenheiten deutlich bequemer. Gut so, denn während man einst nach dem Dessert in den Wohnraum wechselte, die Herren sich möglicherweise mit einer Zigarre in den Rauchsalon zurückzogen, bleibt man heute gemütlich am Tisch sitzen. Vereinzelt feiert sogar die gute alte Eckbank ein Comeback. Natürlich nicht das Modell, das man früher in der Küche stehen hatte, sondern deutlich aufgewertete und veredelte Versionen. Aber man kann sich immer noch herrlich bequem hineinlümmeln. Feste Regeln und Abläufe gehören der Vergangenheit an.