Als Ende des 19. Jahrhunderts bei fortschreitender Industrialisierung immer mehr Frauen in den Fabriken arbeiteten, blieb ihnen nicht mehr viel Zeit zum Kochen. In manchem Haushalt gab es nur noch selten leckere Mahlzeiten. Es wurde improvisiert, das Kochen musste schnell gehen. Die schweizerische „Gemeinnützige Gesellschaft“ befürchtete eine permanent rückläufige Ernährungsqualität für die Bevölkerung.

Julius Maggi hatte die passende Idee. Er erkannte, dass es fertige Speisen geben müsste, die jeder ohne Kochkenntnisse verwenden kann ohne lange mit der Zusammenstellung verschiedenster Zutaten herum experimentieren zu müssen. Maggi wurde am 9. Oktober 1846 in der Schweiz, in Frauenfeld, im Kanton Thurgau als fünftes von sechs Kindern geboren. In ihm verband sich kulinarisches Geschick mit kaufmännischem Verstand. Er war zunächst erfolgreich als Getreidemüller tätig. Schon mit 23 Jahren hatte er bei Zürich seine erste eigene Mühle. Im Alter von 36 Jahren brachte er die ersten kochfertige Suppen heraus. Sie waren reich an proteinhaltigem Gemüse wie Erbsen, Bohnen und Linsen. Man musste nur noch Wasser dazu geben. In der damaligen Zeit wurde das als enorme Erleichterung empfunden.

1887 landete Maggi dann seinen eigentlichen Haupttreffer, die „Maggi-Speisewürze“, eine braune Flüssigkeit in der charakteristischen Vierkant-Flasche. Diese Würzflüssigkeit ist deshalb so genial, weil sie zu fast allem passt. Man kann sie universal für zahlreiche Gerichte verwenden, Kinder naschen sie oft sogar pur. Ein wenig süß, ein wenig salzig, ein wenig Fleischaroma – Der Geschmack lässt sich schwer beschreiben und ist dennoch stets sofort wiedererkennbar. Was den Japanern ihre Sojasauce, wurde dem Westeuropäer bald seine Maggi-Würze. Sie galt als Energiespender und Verdauungshilfe. Auch wer nicht kochen konnte oder nur fade Zutaten zur Verfügung hatte, konnte das Ganze mit dieser Würzflüssigkeit elegant retten. Gerade nach dem Krieg, als gute Zutaten noch schwer zu kriegen waren, war man oft froh, den Gerichten mit Maggi dennoch ein annehmbares Aroma verleihen zu können.

Julius Maggi wird als Workaholic beschrieben. Er vermarktete seine Erfindungen mit großem Geschick und hatte bereits ein gutes Gespür für Marketing. Er engagierte Frank Wedekind für Werbetexte und -reime und sorgte mit seinem einprägsamen rot-gelben Markenzeichen für eine gute Wiedererkennbarkeit. Werbe-Emailltafeln fehlten in keinem Kolonialwarenladen. Zweigwerke in Deutschland und Österreich wurden eröffnet. 1900 erschien eine weitere Innovation, der Suppenwürfel, der wiederum ein Riesenerfolg wurde. In den Fünfzigern wurde der Maggi-Koch „Fridolin“ als Geschmacks-Ratgeber populär, in den Sechziger Jahren wurde er vom „Maggi-Kochstudio“ abgelöst.

Heute gehört „Maggi“ zum Nestlé Konzern. Das Sortiment der Marke hat sich umfangreich erweitert, das Traditionsprodukt wird liebevoll bewahrt, das Rezept der klassischen Würze ist immer noch ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Zwar neigen anspruchsvolle Profi-Köche mittlerweile dazu, solche fertigen Würzmischungen empört von sich zu weisen. In vielen Haushalten hat die kleine Flasche aber immer noch ihren festen Platz im Gewürzregal.